Was zeichnet ein qualitatives Lektorat aus? 

Zum Leidwesen vieler freier Lektoren ist der Beruf des Lektors bislang noch nicht geschützt worden, was im Ergebnis bedeutet, dass es weder gesetzliche noch qualitätssichernde, normierende Standards für Ausbildung und Ausübung dieses Berufes gibt.

Daher gilt es bei der Wahl eines Lektors umso mehr auf wichtige Parameter zu achten, an denen man einen gut ausgebildeten und praktisch erfahrenen Lektoren erkennen kann. Die nachfolgenden Parameter orientieren sich an den eigenverbindlichen Maßstäben des Verbandes der freien Lektoren. Diesen Standards sehe ich mich persönlich verpflichtet.

 
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Es sollte transparent geschildert werden, welche akademische Ausbildung im Konkreten vorliegt. Wenn diese Informationen nicht offengelegt werden, zeugt dies häufig davon, dass keine einschlägige philologische Ausbildung stattgefunden hat. Dies geschieht meist, wenn sich Akademiker und Nicht-Akademiker ohne sprachwissenschaftlich fundierte Ausbildung und im Rahmen eines lediglich „guten Sprachgefühls“ niederlassen. Ein gutes Sprachgefühl kann jedoch das linguistische Studium niemals ersetzen. Ein guter Lektor verfügt – neben seines Sprachempfindens – über vertiefte sprachwissenschaftliche Kenntnisse und Fähigkeiten, die in einem akademischen Studium erworben worden sind.

Um Unklarheiten zu vermeiden: ein germanistisches Studium ist für deutschsprachige Texte unerlässlich. Dies gilt umso mehr bei Lektoratstätigkeiten im Rahmen einer akademischen Abschlussarbeit.

Allerdings gilt es zu beachten, dass Lektoren auch in anderen Sprachen ausgebildet sein können und ihre linguistischen Kompetenzen aus entsprechenden Fachstudien ziehen. Hierbei handelt es sich jedoch zumeist um Lektoren, die ein fremdsprachliches Fachlektorat anbieten.



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Neben der akademisch einschlägigen Ausbildung sollte der Lektor transparent darstellen können, welche praktische Ausbildung er genossen hat. Hierbei liegt der Fokus auf einer Tätigkeit für Verlage, die Lektoren in ihrer spezifischen Tätigkeit ausbilden. Das akademische Studium, das i.d.R. mindestens 5 Jahre umfasst, bildet nur die Grundlage für eine spezifische Verlagsausbildung, die nur in den Medieneinrichtungen selbst gewährleistet werden kann.

Ein guter Lektor wird Ihnen gern eine transparente Auskunft über seine einschlägige Verlagstätigkeit darlegen können und Ihnen auch kleinteilig über Arbeit und Volontariat berichten.
Ferner können Sie jeden Lektor nach einer Liste seiner betreuten Projekte fragen. Ein guter Lektor sendet Ihnen diese auf Anfrage zu, sodass Sie einen Einblick in seine Arbeit erhalten können. Selbstredend ohne hierbei den Datenschutz zu verletzen.



(3)
Ein guter Lektor kann nicht jedes Gebiet bedienen. Ein klassisch ausgebildeter Lektor wird in thematischen Gebieten arbeiten, die er auf Grundlage seiner Ausbildung bedienen kann.
 
Ein freier Lektor, der linguistisch UND geisteswissenschaftlich ausgebildet ist, wird sich zur Wahrung seines eigenen qualitativen Standards auch nur für ein Lektorat geisteswissenschaftlicher Arbeiten bereit erklären. So wird bspw. ein studierter Physiker kein geisteswissenschaftliches Thema betreuen können. Fachverlage, die bspw. ausschließlich für medizinische oder technische Bereiche publizieren, beschäftigen i.d.R. auch Fachwissenschaftler, die sich hierin auskennen.
 

 
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Abschließend ist auch der Preis ein wichtiger Parameter, um die Qualität eines guten Lektors zu erkennen. Auf dem Markt freier Lektoren gibt es leider häufiger schwarze Schafe, die aufgrund ihrer fehlenden Fach-und Sachexpertise keine ihrer Tätigkeit angemessene Preiskalkulation vornehmen können. Folglich sollen Dumpingpreise den Mangel an Qualität ausgleichen.
 
Qualität hat ihren Preis und für ein gutes Lektorat, dass sich dem Text des Klienten auch intensiv annehmen möchte, sind Centbeträge pro Seite illusorisch. Im Rahmen der Preiskalkulation ist es weiterhin wichtig darauf zu achten, dass ein erster Einblick durch Richtwertpreise auf der Internetpräsenz des Lektors einsehbar sind. Allerdings sollten Sie immer mit dem Lektor direkt in Kontakt treten, da er Ihnen problemlos einen Kostenvoranschlag bei einer kostenfreien ersten Sichtung ihres Textes erstellen wird, der sich zudem auch an Art, Umfang und Qualität der eingereichten Arbeit orientiert.
 


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Im Ergebnis ist für Sie darauf zu achten, einen Lektor zu wählen, der ein linguistisches/ philologisches Studium und eine einschlägige Verlagspraxis vorweisen kann, auf eine Preisgestaltung achtet, die sowohl seiner Tätigkeit als auch der Wichtigkeit ihres Anliegens entgegenkommt und sich in jedweder Auskunft transparent und ehrlich verhält.